„Es gibt nur einen Plan A“

Social-Media-Star Gabirano, 20, teilt sein Leben mit 180‘000 Instagram-Fans und hat richtig viel Spass dabei.

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Gabirano, in welchen Situationen wärst du gerne ein normaler Zwanzigjähriger?

Was heisst normal?

 

… jemand ohne Hundertausende von Follower?

Aha. Ich muss nur ins Ausland oder in die französischsprechende Schweiz gehen. Dort bin ich wie jeder anderer. Angesprochen werde ich trotzdem – wegen meiner Grösse.

 

In der Deutschschweiz bist du als Comedian unglaublich erfolgreich. In der Schule lief es weniger rund: Das Gymnasium hast du abgebrochen. Wie haben deine Eltern auf diese Prioritätensetzung reagiert?

Meine Mutter war schockiert. Auch mein Vater fand es schade. Sie wollten, dass ich studieren gehe. Einige meiner Verwandten sind als Künstler ziemlich auf die Fresse gefallen. Doch das Risiko nehme ich in Kauf. Man lebt schliesslich nur einmal.

 

Das Wagnis scheint sich ausbezahlt zu haben. Deine Fancommunity ist riesig. Hast du ein Erfolgsrezept?

Bei dieser Frage weiss ich nie, was ich sagen soll. Zu Beginn machte ich Videos auf Englisch, die vor allem bei meinen Kollegen gut ankamen. Als ich dann anfing, schweizerdeutsche Videos zu produzieren, stieg meine Follower-Zahl rasch an. Im Februar 2016 nahm ich mir vor, jeden Tag mindestens ein gutes Video zu posten, damit ich ein Jahr später die 100‘000-Follower-Marke knacken kann. Das gelang mir dann auch. Dieser Wille und meine grosse Motivation waren wichtig. Zudem bin ich authentisch und habe eine positive Ausstrahlung – das kommt bei meinen Followern gut an.

 

 

Seit wann willst du Komiker werden?

Seit ich denken kann. Schon immer war ich süchtig nach den positiven Rückmeldungen auf meine Witzeleien. Mir selbst macht es natürlich auch Spass.

 

In deinen Clips schlüpfst du im Sekundentakt in andere Rollen. Wo hast du das Schauspielern gelernt?

Mr. Bean war ein grosses Vorbild von mir, genauso wie die französischen Komiker Gad Elmaleh und Jamel Debbouze, die sehr stark in Mimik und Bewegung sind. Von ihnen schaute ich viel ab.

 

Nach welchen Kriterien entscheidest du, ob du ein Video hochlädst?

Wenn ich ein Video lustig finde, lade ich es hoch. Glücklicherweise finden es meine Zuschauer dann jeweils auch gut. Wenn ich nicht sicher bin, frage ich ehrliche Kollegen um Rat. Ihre Kritik kann manchmal wehtun, ist aber wichtig. Auf meine Eltern höre ich nicht. Mein Vater findet sowieso alles lustig, was ich mache, meine Mutter stört sich an Videos über heikle Themen – typisch Mutter halt.

 

Was inspiriert dich für deine Videos?

Inspiration finde ich überall: in Filmen, Büchern, Geschichten von anderen und meinen eigenen Erfahrungen. Die Ideen kommen einfach, suchen muss ich sie nie. Doch weil ich seit Kurzem von meinen Videos lebe, ist ein gewisser Leistungsdruck manchmal schon da: Ich fühle mich schlecht, wenn ich einige Tage kein Video gepostet habe. Aber oft macht mich gerade dieser Druck kreativ.

 

Du parodierst Alltagssituationen. Gibt es überhaupt so etwas wie Routine in deinem Leben?

Nicht mehr. Seitdem ich voll auf Comedy setze, sieht jeder Tag anders aus. Das ist natürlich megageil. Doch ein wenig Planung braucht es dann doch. Das Wichtigste für einen Komiker ist das Beschäftigtsein. Dann erlebst du Sachen. Aus jeder Minute kannst du eine Story machen.

 

Dann machst du wahrscheinlich auch eine Story über dieses Interview…

Das könnte ich wirklich.

 

Wie gut lebst du eigentlich von Social Media?

Ich kann davon leben. Ich kann mir damit unter anderem die WG-Miete finanzieren. Grundsätzlich nehme ich ausschliesslich Aufträge von Unternehmen an, die zu mir passen.

 

Gönnst du dir ab und zu auch eine Social-Media-Pause?

Da mein Hobby auch mein Beruf ist, muss ich immer aktiv bleiben. Selbst wenn ich in den Ferien bin. Ich bin wirklich unglaublich viel am Handy. Die letzte Auszeit hatte ich während den Maturaprüfungen. Während dem Lernen stellte ich das Handy aus – für etwa zwei Stunden.

 

Du giltst als Influencer. Wie hältst du von dieser Bezeichnung?

Klar, ich habe wegen meiner hohen Abonnentenzahl Einfluss auf meine Follower. Sie finden meine Kleidung oder Sachen, die ich mache, toll. Doch „Influencer“ tönt so böse, wie eine Krankheit oder Hirnwäscherei. Daher mag ich die Bezeichnung nicht. Ich sehe mich als Komiker, nicht als Influencer.

 

 

Dein Leben ist praktisch öffentlich. Was bedeutet dir deine Privatsphäre?

Ich teile mein Leben mit den Leuten. Ein Follower meinte mal: „Gabi, ich habe das Gefühl, ich kenne dich so gut. Ich sehe deine Stories, weiss, was du machst und wo du bist. Aber du hast keine Ahnung, wer ich bin.“ Da hat er wohl recht. Doch wenn ich etwas poste, denke ich nicht darüber nach, wer das alles sehen könnte. Klar setze ich Grenzen. Ich habe viele junge Follower, die sehr beeinflussbar sind.

 

Farid Bang und Kollegah pfeifen auf ihre Vorbildfunktion. Die deutschen Rapper wurden mit dem „Echo“-Preis ausgezeichnet – trotz teilweise antisemitischen Texten. Sie beriefen sich auf die Kunstfreiheit. Wie stehst du dazu?

Finde ich fair. Klar sind diese Aussagen schlecht. Die sagen einfach, was ihnen durch den Kopf geht. Jeder weiss, dass sie es damit nicht ernst meinen. Daher finde ich das Ganze nicht so schlimm. Zudem ist niemand mehr direkt betroffen.

 

Sind rassistische Äusserungen folglich Kunst?

Die Frageformulierung gefällt mir nicht. Auch ich disse ab und zu – meine es selbstverständlich aber nicht ernst. Solche Äusserungen gleich als Rassismus zu bezeichnen, ist falsch.

 

Deine Mutter stammt aus Burundi. War dein Migrationshintergrund eher Chance oder Nachteil für deine Karriere?

Als Comedian habe ich mich nie auf meine Herkunft reduziert. Ich präsentiere mich nicht in der Opferrolle à la „der Schwarze in der Schweiz“. Jeder soll sich mit meinen Videos identifizieren können: Wir alle erleben die kleinen Dinge des Alltags.

 

Hilft dir dein Erfolg bei den Frauen?

Das Ansprechen ist einfacher, da sie dich bereits kennen. Manchmal kommen sie auf mich zu. Eine seriöse Beziehung hatte ich aber noch nie.

 

Vor einem Jahr meintest du in einem Interview, einen Plan B gäbe es nicht. Wie sieht es jetzt aus?

Wenn du einen Plan B hast, kannst du dich nicht voll auf Plan A konzentrieren. Daher gibt es für mich nur einen Plan A – Comedy.

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GABIRANO

Der 20-jährige Gabirano Guinand ist der Social-Media-Überflieger schlechthin. Neben seinem Humor macht ihn seine Körpergrösse unverkennbar: Gabirano misst 2.07 Meter. Trotz seines jungen Alters hat Gabirano bereits viel von der Welt gesehen. Gabirano lebte bereits in Burundi und Äthopien. Momentan wohnt er in Zürich.

 

Interview: Ines Häfliger

Bildquelle: www.instagram.com/gabirano