Japaner - genauso verrückt wie wir
Süsskartoffeleis, pechschwarze Sesamsuppe, Joghurt aus der Tüte oder Reisglibberbällchen mit Azukibohnen – in Japan sollte man vorsichtig sein mit dem Ausprobieren unbekannter Speisen.

 

Amerika, das Land der unbeschränkten Möglichkeiten. Wer würde da nicht hin wollen? Die meisten Leute, die einen Auslandaufenthalt planen, reisen nach Amerika. Nicht ich. Aus einem unerfindlichen Grund hatte ich mir ein anderes Reiseziel in den Kopf gesetzt: Japan. Natürlich ergaben sich aus diesem exotischen Wunsch einige Probleme, die erst gelöst werden mussten. Geld, Zeit, Sprache, Kultur und Sitten waren mir weitgehend unbekannt. Das Schlimmste aber war das Warten. Es dauerte beinahe zwei Jahre, bis ich meinen Wunsch verwirklichen konnte, und als es tatsächlich in Richtung Flughafen ging, kam es mir vor wie im Traum. Nun sollte mein Projekt real werden, dabei konnte ich kaum Japanisch …

 

 

Ich erreichte also Kanazawa. Obwohl das Haus meiner Gastfamilie höchstens fünf Minuten vom Bahnhof entfernt war, kurvte der Taxifahrer durch die halbe Stadt und redete auf mich ein, ohne dass ich nur ein Wort verstand. Ich war fix und fertig und beschloss, sogleich mein Bett einzuweihen. Aus dem Erdgeschoss drang das Schnarchen des Vaters zu mir herauf, er hatte es sich auf dem Sofa bequem gemacht. Am Abend unternahmen wir einen Familienausflug in den Supermarkt, bei dem ich von Mei-chan, der kleinen Tochter, zum neuen Spielzeug erklärt wurde. Durch ihre Offenheit fühlte ich mich schnell als Teil der Familie.

 

Schon bald startete die Schule. Der Unterricht ging zügig voran, die Studenten kamen aus aller Welt: Holland, Brasilien, Mexiko, Spanien, Frankreich, Italien, Ukraine, Russland, China, USA und sogar aus der Schweiz. Die Sprache: Englisch. In meinen acht Wochen Japan habe ich viel mehr Englisch gesprochen als Japanisch … Trotzdem habe ich viel Japanisch gelernt.

 

 

Mein erster Besuch in einem japanischen Restaurant war ziemlich speziell. Man zog sich zunächst die Schuhe aus, Stühle gab es keine. Da jedoch auch die Japaner viel Wert auf Bequemlichkeit legen, gab es eine Vertiefung unter dem sehr niedrigen Tisch, worin man seine Beine gemütlich ausstrecken konnte, sollte einem das Knien unangenehm werden. Japanisches Essen ist unvergleichlich, doch man sollte vorsichtig sein mit dem Ausprobieren unbekannter Speisen wie zum Beispiel Süsskartoffeleis, pechschwarzer Sesamsuppe, Joghurt aus der Tüte oder Reisglibberbällchen mit Azukibohnen.

 

 

Die Japaner sind ein sehr spezielles Völkchen. Beispielsweise ist es für Japaner das Schlimmste, wenn man auf dem Klo nebenan hören kann, wie man sein Geschäft verrichtet. Deshalb gibt es stets einen Knopf, der einen spülungsimitierenden Ton aktiviert, der alles andere übertönt … Weitere Kuriositäten gefällig? Auf einer Erkundungstour fand ich einmal einen Laden, der 25 Stunden am Tag geöffnet hatte, die meisten Japaner schlafen beim Zugfahren, alle Japaner – zumindest in Kanazawa – fahren ein Damenfahrrad, man fährt nur auf dem Gehsteig Fahrrad, es kann vorkommen, dass man sein Essen an einem Automaten bestellen muss, Äpfel und Trauben werden niemals mit Schale gegessen und es gibt Fisch in Form eines Hello-Kitty-Kopfes.

 

 

Fazit: Japaner sind genauso verrückt wie wir, und es lohnt sich wirklich, da mal hinzufliegen.